FÜR WALDFISCHBACH-BURGALBEN.

FÜR DICH.

SPD Ortsverein in Berlin

Veröffentlicht am 18.04.2009 in Ortsverein
 

Im Februar besuchten Mitglieder der SPD Waldfischbach-Burgalben die Bundeshauptstadt Berlin. Der Vorsitzende des Ortsvereins, Oliver Käfer, hat hierzu einen Reisebericht geschrieben.

Berlin – Zeitzeuge deutscher Geschichte und der deutschen Gegenwart

Auf Einladung von Lydia Westrich, MdB besuchten vom 11. bis 14. Februar Mitglieder der Ortsvereine Lemberg, Niedersimten, Winzeln und Waldfischbach-Burgalben unsere Hauptstadt. Nachdem wir jetzt doch schon wieder ein paar Tage zu Hause sind und die Ansichten und Begebenheiten ausreichend Zeit hatten sich zu setzen, ein kleines Résumé. Die Anreise erfolgte mit der Bahn. Zuerst vom Bahnhof Waldfischbach aus mit der Regionalbahn bis Kaiserslautern und ab da mit ICE. Ich hatte mich mit MP³-Player, einer Zeitung und einem Kartenspiel eingedeckt – gegen die Langeweile. Wirklich benötigt habe ich das alles nicht. Man ist innerhalb 6 Stunden aus einem kleinen, beschaulichen Dorf, tief im Westen der Nation, an den östlichsten Rand Deutschlands gereist – Mitten in DIE Metropole. Wenn man die richtigen Leute dabei hat ist das gar nicht lange. Am neuen Hauptbahnhof sind wir von unserem Stadtführer, Herrn Henning von Spessart, in Empfang genommen worden. Der Bus in den er uns führte und unsere eigenen Schuhe sollten für die nächsten Tage unser Hauptaufenthaltsort werden. Sprich: Sitzend und den interessanten Ausführungen des Herrn von Spessart lauschend oder per pedes – und das zackig! Aber davon bin ich sowieso ausgegangen. Diese Reise war nämlich eine politische Bildungsreise und keinesfalls eine Kaffeefahrt. Unser Hotel im Stadtteil Tegel, U-Bahn Haltepunkt Kurt-Schumacher-Platz (wie passend), war sauber, die Betten bequem und das Frühstück war gut und ausreichend. Von dort gingen jeden Morgen um 8, spätestens halb 9, die Tagestouren mit dem Bus los. Zurück kam man dann so gegen 23 oder 24 Uhr. Nach dem Ende der Tagestour sah man sich dann, wenn man schon mal da ist, Berlin und sein Dasein als Solches auch noch nach eigenen Sightseeing- Wünschen an. Außerdem wollte man doch den Eingeborenen auch mal von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten und es gibt dort einige Kneipen in denen überall angeschrieben steht „Freibier gibt’s morgen“, so daß wir gezwungen waren...aber lassen wir das! Nach dem Einchecken im Dorint Hotel im Stadtteil Tegel, genauer gesagt exakt in der Einflugschneise des Flughafens Berlin-Tegel, ging es auch schon wieder mit dem Bus weiter zu einem Abendessen in die Landesvertretung von Rheinland-Pfalz. In einem Raum, der sehr geschmackvoll einem Weinkeller nachempfunden war, begrüßte uns mit Wein von der Mosel unsere Gastgeberin Lydia Westrich. In ihrer Begrüßungsrede gab sie einen Einblick in die politische Arbeit der SPD Bundestagsfraktion und auch über die Arbeit in den Bundesausschüssen. Nach dem Essen wurden wir noch auf die Dachterasse der Landesvertretung gebeten, von der man eine schöne Aussicht auf verschiedene Plätze und Gebäude Berlins hatte. Mit dem Ende des Empfangs in unserer Landesvertretung war der offizielle Teil des Abends beendet und wir begaben uns in zum naheliegenden Potsdamer Platz, genauer zum wirklich imposanten „Sony-Center“. Man kennt diesen Ort vielleicht noch von der WM 2006, dort war damals das Public-Viewing und viele TV-Sender übertrugen auch von dort. Am Donnerstag 12.02., wurden wir morgens schon um 8.30 Uhr am Hotel abgeholt. Zuerst stand die obligatorische Stadtrundfahrt auf dem Programm. Potsdamer Platz, Siegessäule, Kudamm, Straße „Unter den Linden“ (Honey´s Prachtstraße), usw. Durchs Brandenburger Tor sind wir natürlich geschritten. Dieses Tor, das heute fast Mitten in Berlin steht, war eines von vielen alten Stadttoren Berlins – und zwar das westlichste. Das heißt vor 300 Jahren war Berlin dort zu Ende. Der gesamte Westteil, als Zoologischer Garten und Kurfürstendamm waren damals nicht Bestandteil Berlins. Das alte Berlin war das sogenannte „Märkische Viertel“, weit im heutigen Osten Berlins. Daß dies der Ursprung Berlins ist, hatte 1987wohl auch letztendlich die damalige SED-Führung begriffen und die letzten Häuser aus den ersten Tagen Berlins zur 750-Jahr Feier umfangreich renovieren lassen. Nachmittags besuchten wir das Filmmuseum am Potsdamer Platz. Der Vortrag zu Beginn des Besuchs zeigte, daß Deutschland eine große cineastische Vergangenheit hat. Menschen wie Fritz Lang, Friedrich Wilhelm Murnau, Marlene Dietrich, Paul Wegener, Ernst Lubitsch, Robert Wiene, Werner Hochbaum und viele andere waren nach der Machtergreifung der Nazis 1933 nicht mehr erwünscht, verfolgt, vertrieben und ermordet worden. Manche konnten fliehen, anderen machten die Nazis Avancen, besonders Marlene Dietrich. Diese zog es jedoch vor sich nach Amerika abzusetzen. Viele, viel zu viele Schauspieler, Regisseure und Produzenten waren Deutsche jüdischen Glaubens, oder Kommunisten, Sozialdemokraten oder eben Andersdenkende. Durch die Nazis ging dem deutschen Film ca. 70% seines know-hows verloren in Form von Menschen, Geld und unzensierten Schaffens. Als einer der Höhepunkte stellte sich der Besuch des Reichtags dar. Ein imposantes Gebäude, geschichtsträchtig – im Guten wie im Bösen – erbaut von 1884 – 1894, also in der Kaiserzeit unter Wilhelm I. und Otto von Bismarck. Eine Plenarsitzung des deutschen Bundestages wird meiner Ansicht nach erst richtig interessant, wenn die Hauptdarsteller alle da sind. Das Thema des Tages bzw. das Thema bei dem wir gerade auf den Zuschauerrängen zugegen waren war „Änderung des Entsendegesetzes für deutsche Soldaten“. Sicher müssen auch solche Dinge debattiert und beschlossen werden. Solche Dinge werden jedoch meist in den Ausschüssen schon sehr gut vorbereitet, jede der Parteien weiß was konsens- und damit beschlußfähig ist. Es folgende mehr oder WENIGER interessante Ansprachen im Bundestag und das Ding ist beschlossen oder abgelehnt. Sehr schön war der Besuch der Glaskuppel. Man hat von dort einen weiteren herrlichen Überblick über Berlin. Am Freitag den 13.02. stand ein Vortrag und eine anschließende Diskussion im Bundesministerium für Arbeit und Soziales auf dem Programm. An der Diskussion beteiligten wir uns bereitwillig und redlich. Als Ergebnis, denke ich, bleibt der netten Referentin des Ministeriums eben Volkes Stimme, daß im Volk schon mitgedacht wird, man nicht mit allem einverstanden ist und vieles hinterfragen muß – gerade wir als Deutsche. Und, by the way, Sozialdemokraten sind jederzeit zu einer guten Diskussion bereit. Als Resultat für mich bleibt, daß man in Deutschland nicht gerade an einer Schraube drehen kann von der man denkt, daß diese entweder zu fest oder zu locker sitzt. Wenn etwas MIR Erleichterung verschafft, kann es sein, daß ein ANDERER untergeht. „Womit wir aber auch wiederum bei der sozialen Gerechtigkeit wären...“ Interessant ist das Gebäude dieses Bundesministeriums. Kein Prunkbau oder teure Gemälde oder Plastiken. Hell und schlicht. Sein „Erbauer“ war Joseph Goebbels – es war sein Propagandaministerium. „Na – du kleiner geltungsgeiler Volksverhetzer und Brandstifter, was meinst du jetzt!?!“ Genau das ist auch Berlin. Deutscher Dom, eine Ausstellung über die Anfänge und die Wiederanfänge der deutschen Demokratiebewegung und Parlamentarismus. Man sieht dort auch z.B. ein Model über Hitlers wahnwitzige „Germania“-Halle. Ein geplanter größenwahnsinniger Kuppelbau, in dem der Petersdom mehrfach Platz gehabt hätte. Wenn man solche Pläne oder Modelle sieht, dann fragt man sich, warum manch einer noch über die angeblichen „Prunkbauten“ der Bundesregierung in Berlin debattiert. Mein persönlicher Höhepunkt war und ist die Gedenkstätte des deutschen Widerstandes im sogenannten ehemaligen Bendlerblock. Diese Gebäude beherbergte bis 1945 das Kriegsministerium und war die „Zentrale“ des Umsturzversuches vom 20. Juli 1944 – das Attentat auf Hitler. Von Stauffenberg und seine Kameraden wurden im Innenhof erschossen – ohne Gericht oder Urteil. Der Vortrag, der uns bei der Führung durch dieses Gebäude gehalten wurde beeindruckt mich noch heute. Auf vieles was an den Wänden hing ging unser Referent gar nicht ein. Er führte uns direkt ins Büro von von Stauffenberg, direkt neben dem seines Vorgesetzten Generaloberst Fromm. Thematisch blieben wir nicht lange bei Stauffenberg. „Jedoch das Zimmer nebenan – dort begann das Dritte Reich. Hitler wurde am 30. Januar durch Hindenburg zwar zum Reichskanzler ernannt. Einen Tag später war Hitler jedoch hier in diesem Zimmer nebenan. Die wichtigsten Generäle der damaligen Zeit waren dort schon vor Hitlers Erscheinen versammelt. Deutschland war damals wie schon lange Zeit zuvor ein sehr militaristischer Staat. Das heißt der Einfluß des Militärs auf die deutsche Außen- wie auch Innenpolitik war althergebracht und immens. Ohne die Generäle, dessen war man sich in diesem Zimmer in diesem Moment bewußt, war es nicht möglich eine funktionsfähige Regierung zu etablieren. Man machte sich wohl auch über den Emporkömmling, den Gefreiten lustig. Hitler betrat den Raum. „Herr Hitler, was können sie uns bieten?“ war die Frage „Ich befreie euch von der Pest der Demokratie!“ ...Damit war alles klar. Der Nerv der wilhelminisch geprägten, nach Stärke und Autorität strebenden Militaristen war getroffen. Es folgten 1000 Jahre die nach 12 Jahren schon vorbei waren.“ Packend erzählt. Alles Weitere über den Widerstand im 3. Reich erschloß sich einem danach bei der Besichtigung der Ausstellung. Ich wußte zuvor, daß es damals in Deutschland Mitläufer, Mitvollstrecker, verführte, schuldige und unschuldige Menschen gab. Ich dachte auch, daß es auch aktiveGegner gab. Ja die gab es – TAUSENDE! Jeglicher Couleur. Komplett durchorganisiert oder spontan organisiert oder unorganisiert. Zum Teil erfolgreich. Ob jemand geholfen hat einen „Juden“ zu verstecken oder ob eine Organisation 1942 in der Tschechei Heydrich erschießt. Beeindruckend! Leider mußten anscheinend erst amerikanische und britische Bomben und russische Katjuschas den oder dem Hauptverbercher(n) das Handwerk legen. Der Besuch der Ausstellung „The Story of Berlin“ war der letzte offizielle Teil des Besuchs man kann dort sehr schön Berlins Werden verfolgen. Anhand von altem Kartenmaterial und Modellen, aber auch anhand von Nachbauten von Straßenzügen und Behausungen verschiedener Epochen, kann man sich in die jeweilige Zeit hineinfühlen. Es fehlte gerade noch, daß da ein schnauzbärtiger Hauptmann von Köpenick ums Eck kommt. Es war sehr kalt und windig in Berlin. Ich hatte wenig schlaf ;-) und viel Programm. Es war toll! Danke Lydia Westrich, Danke allen weiteren Beteiligten aus Pirmasens und aus Berlin. Gut organisiert und lehrreich.